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Im September 2000 beschloss ich, mich wieder in Israel niederzulassen, und seitdem sind mir einige der größten körperlichen Herausforderungen meines Lebens begegnet. Das eine hängt sicherlich mit dem anderen zusammen. Wenn man sich daran macht, für den Herrn etwas in Israel zu tun, bewirkt dies eine Menge Widerstand. Ich hatte so viele verschiedene Krankheiten, dass ich sie kaum zählen kann - unter anderem Krebs, Polymyalgia rheumatika (zu deutsch: Weichteilrheumatismus) und eine doppelte Lungenendzündung. Doch durch die Gnade Gottes mache ich gute Fortschritte.

Ich hoffe, es klingt nicht angeberisch, wenn ich sage, dass mich eine Krise hier nicht erschüttern kann. Ich habe in Israel selten eine krisenlose Zeit erlebt. Ich denke in solchen Zeiten oft an Jeremia 31,10:

„Hört das Wort des Herrn, ihr Nationen, und meldet es auf den fernen Inseln und sagt: Der Israel zerstreut hat, wird es [wieder] sammeln und wird es hüten wie ein Hirte seine Herde!“

Gott sagt hier zu den anderen Nationen „Ich will mein jüdisches Volk wieder herstellen in dem Land, das ich ihm gegeben habe. Wenn ihr versucht, dieses Vorhaben zu behindern oder euch ihm widersetzt, muss ich euch wie meine Feinde behandeln.“

Der obige Vers ist inzwischen eine geschichtliche Tatsache. Der Israel zerstreut hat, wird es nicht erst zukünftig wieder herstellen, sondern dieser Prozess ist bereits im Gange. Bedenkt, dass die Worte in Jeremia 31 bereits vor gut 2000 Jahren ausgesprochen wurden. Aber sie beschreiben genau die gegenwärtige Situation in Israel. Die hier verwendete Sprache ist besonders passend. Im Hebräischen wird für wird es sammeln nur ein einziges Wort verwendet, und dieses Wort hat die selbe Wurzel wie das Wort kibbuz. Ein Kibbuz ist eine besondere Form von Gemeinschaft, die entstand, als die Juden damit begannen, in dieses Land zurückzukehren. Wir könnten die oben erwähnte Aussage also auch folgendermaßen wiedergeben: „Der Israel zerstreut hat, wird sie in Kibbuzim sammeln.“ Dies ist ein bemerkenswertes Beispiel für den prophetischen Einblick Gottes, wie er in der Bibel offenbart ist. Ich bin persönlich der Auffassung, dass Israel die vergangenen 54 Jahre ohne die Kibbuzim nicht überstanden hätte.

Wann immer es eine Krise gibt, kann ich nur immer wieder bekräftigen: „Der Israel zerstreut hat, wird es nicht nur wieder sammeln, sondern sammelt es zur gegenwärtigen Zeit, und wird es hüten bzw. schützen.“ Die Verwendung des Ausdrucks „wird es hüten [oder schützen]“ weist darauf hin, dass es eine Krisenzeit geben wird - keine normale, friedliche Situation. Wann immer jemand eine Nachrichtensendung einschaltet und ich etwas über eine neue Krise höre, sage ich mir: „Der Israel zerstreut hat, sammelt es, und wird es hüten!“

Ich persönlich gerate in solchen Krisenzeiten nicht in Panik. Ich versuche, die Lage realistisch einzuschätzen und in vernünftiger Weise entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Dies rüttelt jedoch in keiner Weise an meiner Überzeugung, dass derjenige, „der Israel zerstreut hat, es schützen wird“.

Das Gebet eines Unglücklichen

Oft wenn ich unter Druck stehe, schlage ich Psalm 102 auf. In der Elberfelder Übersetzung hat der Psalm die Überschrift: Gebet eines Elenden, wenn er verzagt ist und seine Klage vor dem HERRN ausschüttet. Zweifelsohne handelt es sich hier um einen Aufschrei der Verzweiflung, doch in diesem Psalm finden wir auch einige wertvolle Edelsteine. Die Verse 2 und 3 offenbaren ein verzweifeltes Herz:

„HERR, höre mein Gebet, lass zu dir kommen mein Schreien! Verbirg dein Angesicht nicht vor mir am Tag meiner Bedrängnis! Neige zu mir dein Ohr! An dem Tage, da ich rufe, erhöre mich eilends!“

Hier ist ein verzweifelter Mensch, der weiß, dass er nur bei Gott allein Hilfe finden kann. Mir gefällt die ehrliche Art der Psalmisten; sie verbergen nichts: „Wenn Du mich nicht erhörst, Herr, bekomme ich keine Hilfe. Dann gehe ich unter.“ In den folgenden beiden Versen fährt der Psalmist fort, indem er seinen eigenen erbärmlichen Zustand beschreibt:

„Denn wie Rauch entschwinden meine Tage, meine Gebeine glühen wie ein Brand. Wie Gras ist abgemäht und verdorrt mein Herz, denn ich habe vergessen, mein Brot zu essen.“

Hier spricht ein verzweifelter Mensch, der sogar vergisst, zu essen, und immer mehr an Gewicht verliert. In den Versen sechs bis acht fährt der Psalmist fort:

„Wegen der Stimme meines Seufzens klebt mein Gebein an meinem Fleisch. Ich gleiche der Eule der Wüste, ich bin wie das Käuzchen in den Ruinen. Ich wache und bin wie ein einsamer Vogel (engl: Spatz) auf dem Dach.“

Die Eule und das Käuzchen sind zwei Vögel, die selten glücklich zu sein scheinen. Und welches Problem hat der Spatz? Er ist allein. Er hat seine Partnerin verloren.

In den Versen neun bis elf geht es um den Kern der Angelegenheit:

„Den ganzen Tag höhnen mich meine Feinde; die mich verspotten, schwören bei mir [einen Eid gegen mich]. Denn Asche esse ich wie Brot, meinen Trank vermische ich mit Tränen vor deiner Verwünschung und deinem Grimm. Denn du hast mich emporgehoben und hast mich hingeworfen.“

Dies scheint mir der Kern menschlichen Leids zu sein: „Du hast mich emporgehoben und hast mich hingeworfen. Du hast mich erhöht. Du gabst mir einen Stellenwert, und dann hast Du mich weggeworfen.“ Ich glaube, dass dies die bitterste Aussage ist, die irgendjemand machen kann.

Als Nichtjude halte ich dies für die zentrale Qual des jüdischen Volkes. Gott erhöhte sie vor 2400 Jahren. Wenn man zu jener Zeit Wahrheiten über Gott erfahren wollte, ging man zu einem Juden. Wenn man etwas über wahre Anbetung erfahren wollte, ging man zu einem Juden. Wenn man Gott persönlich kennen lernen wollte, ging man nach Jerusalem.

Wir Nichtjuden können schwerlich nachempfinden, was das jüdische Volk durchgemacht hat. Der Psalmist sagt: „Du hast mich hingeworfen.“ Die Tatsache, dass an der Stelle, an der einst der Tempel stand, nun eine Moschee steht, ist Beweis für diese Aussage.

Durch die Erfahrungen, die ich in der Seelsorge mit Menschen gemacht habe, die Befreiung von Dämonen benötigen, habe ich etwas über die Gründe gelernt, warum Menschen leiden. Ich habe gelernt, dass die schwerste, schmerzhafteste Form des Leids Ablehnung ist. Ablehnung ist, meiner Meinung nach, die tiefste Wunde des menschlichen Herzens.

In unserer heutigen Gesellschaft sind wir von Menschen umgeben, die abgelehnt wurden. Ich bin der Auffassung, dass wir Menschen als liebesbedürftige Wesen geschaffen wurden. Wenn ein kleines Kind jedoch von seinem Vater oder seiner Mutter keine Liebe empfängt, entsteht eine tiefe Wunde der Ablehnung. Dieser mögen viele andere Verletzungen folgen. Die Menschen strecken sich beständig nach Liebe aus. Wo sie jedoch dem Gegenteil begegnen, ist das Ergebnis oft eine erschreckend tiefe Wunde.

Ich bin der Auffassung, dass das Hauptproblem des jüdischen Volkes Ablehnung ist, und die Juden wissen dies nicht einmal. Wer sich schon einmal mit Menschen, die unter Ablehnung leiden, beschäftigt hat, weiß, dass diese oft aggressiv reagieren. Aber dies ist nur ein Deckmantel. In Wahrheit sehnen sie sich danach, geliebt zu werden. Dies trifft auch auf das jüdische Volk zu; es sehnt sich danach, angenommen zu werden.

Der Psalmist sagt: „Du hast mich emporgehoben und hast mich hingeworfen.“ Ich könnte verschiedene andere Schriftstellen anführen, die das selbe über Israel sagen. Gott hat das Volk Israel zweifelsohne emporgehoben: Er hat es zum Haupt der Nationen gemacht und gab ihm eine hervorgehobene Position – und dann warf Er sie hin! Allerdings nicht für immer – aber um diese Tatsache zu ergreifen, muss man glauben.

Im dreizehnten Vers finden wir Hoffnung. Hier finden wir die biblische Antwort auf Ablehnung:

„Du aber, HERR, bleibst auf ewig, dein Gedächtnis von Geschlecht zu Geschlecht.“

„Du aber, HERR.“ Wenden Sie Ihre Gedanken von sich selbst, Ihren Problemen, Ihrem Leid, Ihrem Versagen ab. Dort findet man keine Hilfe. Die einzige Quelle der Hoffnung und Hilfe ist der Herr. Sie können andere Menschen für Ihre Situation verantwortlich machen (was vielleicht auch wirklich den Tatsachen entspricht), doch diese können Ihnen keine Lösung anbieten. Es gibt nur eine Lösung: den Herrn – und Er ist immer da.

Eine Zeit der Wiederherstellung

Unsere Reise durch Psalm 102 hat eine Wende in die richtige Richtung gemacht. Der Psalmist hat beschlossen, auf Gottes Liebe und Barmherzigkeit zu vertrauen. Vers 14:

„Du wirst aufstehen, wirst dich Zions erbarmen. Denn es ist Zeit, ihn zu begnadigen, denn gekommen ist die bestimmte Zeit.“

Die derzeitige Wiederherstellung des jüdischen Volkes ist ein einzigartiges Zeichen des Wohlwollens Gottes. In Gottes Kalender gibt es eine bestimmte, festgelegte Zeit des Wohlwollens gegenüber Zion. Meines Erachtens leben wir bereits in dieser Zeit oder steuern auf diese zu.

In diesem Vers gibt es zwei Worte, die etwas beschreiben, das wir uns niemals verdienen können: Erbarmen und Gnade. Gerade die Tatsache, dass wir Erbarmen benötigen, bedeutet, dass wir es uns nicht verdienen können. An dieser Stelle gibt es meiner Meinung nach ein zentrales Problem mit religiösen Menschen wie uns. Wenn wir uns etwas nicht verdienen können, wollen wir es nicht. Die meisten von uns sind in dem Glauben aufgewachsen, dass es in der Religion darum geht, sich etwas zu verdienen. Wenn man einen gewissen Standard erreicht oder bestimmte Bedingungen erfüllt, erhält man bestimmte Begünstigungen. Ich glaube, dass es im Glaubensleben diesen Aspekt zum Teil gibt, aber dies ist nicht unser Thema. Man kann sich keine Gunst und keine Gnade verdienen. Dies widerspräche ihrer Definition. Wenn Sie Gnade benötigen, heißt dies, dass Sie sie nicht verdient haben.

Im Dienst am Leib Christi habe ich entdeckt, dass viele Christen nicht darin mit Gott übereinstimmen, dass Er das jüdische Volk wiederherstellt – und sie sind der Ansicht, dass die Juden dies nicht verdienen. Aber dies ist ja gerade das, was Gnade ausmacht: das zu bekommen, was man nicht verdient. Ein Ergebnis dieser Denkweise ist die „Ersatztheologie“, die besagt, dass alles, was Gott den Juden verheißen hat, automatisch der christlichen Kirche zufällt, nachdem die Juden aus der Gnade Gottes gefallen sind.

Dies würde bedeuten, dass „die Kirche“ Gottes Gnade sehr wohl verdient. Diesbezüglich gibt es jedoch ein Problem: Nach mehr als sechzig Jahren im christlichen Dienst habe ich noch keine Gemeinde gefunden, die die Gnade Gottes tatsächlich verdient.

In Vers 17 folgt der begeisternde Höhepunkt von Psalm 102:

„Denn der HERR wird Zion aufbauen, er wird erscheinen in seiner Herrlichkeit.“

In der englischen King James Version heißt es: Wenn der HERR Zion aufbauen wird, wird er in seiner Herrlichkeit erscheinen.“ Der Aufbau Zions ist eines der begeisterndsten gegenwärtigen Zeichen dafür, dass sich der Herr auf Seine Wiederkehr vorbereitet. In Psalm 102, Vers 19 heißt es: „Dies sei aufgeschrieben für das künftige Geschlecht, und ein [neu] geschaffenes Volk soll Jah loben.“ Ich unterhielt mich mit einem jüdischen Freund von mir über diesen Vers, und er betonte, dass es im Hebräischen nicht heißt „das zukünftige Geschlecht“, sondern „die letzte Generation.“ Diese Verse wurden also für das letzte Geschlecht geschrieben.

Wonach hält Gott also Ausschau? Ein Volk, das Ihn lobt – und falls nötig, wird Er dieses erschaffen müssen. Ich glaube, dass Gott gerade das gegenwärtig tut: Er erschafft sich ein Volk, das Ihm das Lob zuteil werden lässt, das Er verdient. Und in diesem Volk wird es sowohl Juden als auch Nichtjuden geben.

Ihnen verbunden im Dienste des Meisters
Derek Prince

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